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Erfolg vor dem Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte Die ecuadorianische Urwaldgemeinde Sarayaku hat Rechtsgeschichte geschrieben. Ende April 2012 besuchte der Interamerikanische Menschenrechtsgerichtshof zum ersten Mal ein indigenes Volk in seinem Territorium. Dies war die letzte Etappe in einem neunjährigen Musterprozess um das "Recht auf vorherige Konsultation" indigener Völker bei Großprojekten. Die Kichwa werfen dem Staat Ecuador vor, die Aktivitäten ausländischer Erdölfirmen durch die Armee abgesichert zu haben. In den letzten 30 Jahren wurden mehreren Ölfirmen Konzessionen in ihrem Gebiet erteilt, 1996 der argentinischen Firma CGC. 2002 und 2003 drangen Ölarbeiter in Begleitung von Soldaten auf das Gemeindegebiet vor, zerstörten 260 Hektar Urwald und vergruben 1.450 Kilogramm Sprengstoff für seismografische Messungen im Boden. 2005 kam der Konflikt vor das Menschenrechtsgericht. Doch auch unter dem linken Präsidenten Rafael Correa argumentiert der Staat wie unter Vorgänger Lúcio Guitérrez. General Óscar Troya bestritt gar, dass die Armee auf das 137.000 Hektar große Territorium vorgedrungen sei, und warf den Aktivisten vor, den Dialog zu verweigern. Erdöl bedroht Lebensgrundlagen Durch die auch weiterhin geplante Ölförderung sehen die 1.300 Einwohner Sarayakus ihre Existenzgrundlage bedroht. 1996 hatte die CGC die Förderkonzession für den Block 23 erhalten, der in das 1.300 Quadratkilometer große Gemeindegebiet hineinreicht. Nach dem Widerstand Sarayakus zog sich die Firma zurück und verklagt Ecuador vor einem Schiedsgericht der Weltbank. Die Kichwa fordern von der Regierung ebenfalls Entschädigung sowie die Beseitigung des Sprengstoffs. Vor Ort war auch Alexis Mera, ein Berater des ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa. Er erklärte, dass der Staat an einer Wiedergutmachung interessiert sei. Gleichzeitig betonte er aber auch das Recht des Staates, die Bodenschätze auszubeuten, um mit den Erträgen Schulen, Gesundheitsstationen und Straßen bauen zu können. Staatschef Correa wies wenig später in einer Fernsehansprache auf die Verantwortung seiner Vorgänger im Fall Sarayaku hin. Die "vorherige Konsultation" sei nicht gleichbedeutend mit einem Vetorecht. Den Indígenas warf der Staatschef vor, den Konflikt künstlich zu verlängern, um jegliche Ölforderung im Amazonasgebiet zu verhindern. Dabei setzten sie auch auf die Hilfe ausländischer Umweltgruppen, schimpfte Correa: "Empörend, dass diese Gringos mit vollem Bauch herkommen, um hier das zu versuchen, was sie in ihren eigenen Ländern nie geschafft haben." Dies wurde von Patricia Gualinga, der Sprecherin der Frauen von Sarayaku scharf zurückgewiesen. Es sei eine Beleidigung für das Volk von Sarayaku, dass man ihm abspräche, eigene Entscheidungen treffen zu können. Auch nannte sie ein prominentes Gegenbeispiel: Im Yasuni-Nationalpark soll auf die Förderung von Öl verzichtet werden, wenn internationale Geldgeber entsprechend hohe Entschädigungszahlungen aufbringen. Hier werde die Hilfe ausländischer NROs vom Staat als internationale Solidarität deklariert. Besonders angespannt ist die Debatte vor dem Hintergrund der laufenden Verhandlungen über die Neuvergabe von Erdölkonzessionen für das gesamte südliche Amazonasgebiet Ecuadors (einschließlich Sarayaku) und dem angekündigten Widerstand fast aller indigenen Organisationen.
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